Sie ist allerdings etwas sprunghaft und hüpft munter zwischen der Gegenwart, der Vergangenheit und ihren Suizidplanungen hin und her. Deswegen werde ich mich wohl erst einmal auf die eine oder andere Leseprobe beschränken; ich möchte ja, dass Sie zum Spaß herkommen. Arbeiten müssen die meisten von uns ja genug.
Und hier ist sie. Die Leseprobe. Ich glaube, ich muss nichts drumherum erklären. Wenn doch, schreiben Sie mir.
Bitteschön:
Aber
wenn ich schon einmal dabei bin, kann ich ja noch ein bisschen über
andere Methoden nachdenken. Mal gucken – was gibt es denn noch?
Aufhängen
ist definitiv nicht das Richtige. Erstens muss man da wilde
Berechnungen anstellen, wie lang der Strick sein darf, damit man sich
dann auch wirklich das Genick bricht und nicht erstickt. Da habe ich
gar keine Lust drauf. Ist wahrscheinlich auch mit einfachem Dreisatz
nicht zu machen. Und elend ersticken, von einem harmlosen
Spaziergänger oder spielenden Kindern gefunden zu werden, blau
angelaufen, mit heraushängender Zunge? Das braucht ja auch kein
Mensch. Oder ich falle runter, hänge zu tief oder irgendsowas, und
Tiere fressen an mir. Es soll ja schon auch ein bisschen hübsch
aussehen.
Schlaftabletten
oder überhaupt irgendwelche Tabletten sollen ja auch recht
unangenehm sein. Glaubt man den einschlägigen Foren, werden die
Leute immer nochmal wach, wollen dann ganz dringend weiterleben,
können aber nicht mehr telefonieren. Wie blöd wäre das denn! Ich
frage mich allerdings, woher die in den Foren das wissen, wenn die
Selbstmörder doch gar nicht mehr telefonieren können. Auch so ein
Rätsel des World Wide Web.
Ich
könnte Tabletten mit Alkohol kombinieren. Aber das mache ich ja
sowieso schon. Mir ist dabei noch nie etwas passiert, nicht einmal
meine Leberwerte sind problematisch, wenn ich meinem Hausarzt glauben
darf. Und da besteht ja auch die Gefahr, doch noch gefunden zu
werden, aber eben erst, nachdem das Gehirn eine ganze Weile nicht
mehr durchblutet worden ist, ich also Pflegefall wäre, die
Krankenkasse sinnlos viel Geld kosten würde, weil ja keiner da ist,
der… Hatte ich schon. Fällt auch weg. Ich will mich ja umbringen
und nicht der Gesellschaft zur Last fallen.
Pulsadern
aufschneiden. Der Klassiker. Ich habe auch genug Psychiatriefilme
gesehen und Depressivenromane gelesen, um zu wissen, dass quer
vielleicht schicker ist, längs aber effektiver. Man macht sich ja
echt lächerlich, wenn man da so quer über das Ärmchen säbelt.
Machen auch nur Frauen, glaube ich. Wahrscheinlich wollen die sowieso
nur bedauert werden. Ich nicht. Aber ich müsste ja so tief
schneiden, dass ich auch die richtigen Venen (Adern? Kann ich mir
auch nicht merken. Egal.) aufschneide. Und das finde ich eklig. Ich
kann ja noch nicht einmal meine Brust abtasten oder unter meinem
Rippenbogen nach dem Zwerchfell suchen. Das finde ich auch eklig. Boah, mir wird schon
bei dem Gedanken schlecht. Auch keine Alternative.
Schön
wäre es ja, irgendeine Bank auszurauben, nach draußen zu stürzen,
mitten in ein riesiges Polizeiaufgebot, mit einer Hand unter meine
Jacke zu greifen, „Towanda!“ zu brüllen*,
auf die Jungs und Mädels in Blau zuzustürzen und mich aus zwanzig
oder mehr Revolvern erschießen zu lassen. Das Letzte,
was ich hören würde, wäre: „Achtung, sie hat eine Waffe!“. Das
wäre ein schöner Tod! Aber ich will mich ja spontan umbringen. Und
jetzt hat auch keine Bank mehr auf. Trotzdem – wenn das heute
nichts wird, hebe ich mir die Idee auf jeden Fall für später auf.
Irgendwo
herunterspringen klappt nicht wegen meiner Höhenangst. Erstens
möchte ich es ja schon auch ein bisschen schön haben beim Sterben
und nicht zu allem Elend auch noch Todesängste ausstehen, zweitens
käme ich auch gar nicht erst rauf. Treppen traue ich mich nicht,
Fahrstuhlfahren ist mir zu gefährlich – die bleiben ja gern mal
stecken. Dann sitze ich blöd da drin und muss so tun, als wäre ich zurechnungsfähig, wenn ich den Notrufknopf gedrückt habe.
Ins
Wasser gehen kann ich auch nicht. Kann ich schon. Nützt aber nichts.
Ich kann schwimmen. Und da stelle ich es mir recht anstrengend vor,
sich selbst zu ersäufen. Ne, ist jetzt auch zu kalt.
Vor
den Zug werfe ich mich auf gar keinen Fall. Entweder muss ich da auch
irgendwo runterspringen, mich schon hinstellen und nicht wegrennen,
wenn dann der Zug kommt (was ich für eine echte Herausforderung
halte, ähnlich wie Ertrinken, wenn man schwimmen kann) oder mich von
einem Bahnsteig stürzen. Das schaffe ich wahrscheinlich alles nicht.
Und selbst wenn: Will ich denn wirklich dafür verantwortlich sein,
dass der arme Zugführer berufsunfähig wird? Vielleicht seine Kinder
schlägt, weil er nicht zur Therapie geht? Versucht, sich ebenfalls
umzubringen?
Dann
wäre da noch Erschießen. Ganz davon abgesehen, dass es für den
glücklichen Finder auch nicht schön ist, wenn man sein Gehirn
an die Wand schmiert, besteht die Gefahr, falsch anzusetzen und als
sabbernder Pflegefall zu überleben. Da ich weder eine Pistole
besitze noch genügend kriminelle Kontakte habe, um mir eine zu
besorgen, scheidet das auch aus.
Mehr
fällt mir nicht ein. Die Foren geben nichts her, und bei
Gute-Frage-Net versuche ich es besser gar nicht erst. Ich bin mit
meinem Latein am Ende. Leben will ich aber trotzdem nicht mehr. Es
macht mir einfach keinen Spaß, und ich habe es jetzt lange
genug ausprobiert, finde ich. Könnte mir also bitte mal jemand
verraten, wie man sich sozialkompatibel, ohne allzu großen Verlust
von Körperteilen, möglichst schmerzfrei umbringen und dabei auch noch
ein bisschen nett aussehen kann?
Verflucht!
Da wäre ich doch fast von der Straße abgekommen! Meierchen, hör
auf zu heulen und konzentriere Dich aufs Fahren – Du willst ja
wohl keinen Unfall bauen oder womöglich den Führerschein loswerden,
weil Du hier mit Wodka-Lemon während der Fahrt herumhantierst?
Was
denke ich denn da? Ist doch völlig egal! Scheiße, mir geht es
wirklich nicht gut. Was mache ich denn jetzt bloß? Ich kann ja wohl
schlecht die Telefonseelsorge anrufen.
* „Towanda“
stammt nicht von mir. Das brüllt Evelyn Couch in „Grüne
Tomaten“, als sie den Käfer der jungen Hühner rammt. Ich liebe
dieses Wort. Es hat so etwas Aufrührerisches.
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