Birgit Meier stellte
ihr Auto auf dem Parkplatz des psychiatrischen Fachklinikums ab. Sie
legte die Parkscheibe aufs Armaturenbrett und fragte sich, ob sie
noch die Gelegenheit haben würde, das Auto umzuparken, wenn die sie
dabehielten. Und das würden sie. Immerhin hatte sie noch einiges an
Restalkohol in und eine Nacht, in der sie den Tank fast leer gefahren
hatte auf der Suche nach einem geeigneten Baum, hinter sich und sah
auch so aus.
Sie streichelte
versonnen das Lenkrad. „Ach, mein Kleiner, wir werden uns wohl
länger nicht sehen.“ erklärte sie ihrem Auto. Allein das, was sie
jeden Tag ihrem Lenkrad erzählte, würde ja schon ausreichen, um sie
wegzusperren. Aber war das denn ein Wunder? Ihre kleine schwarze
Rennmaschine, wie sie den Wagen liebevoll nannte, war Freund,
Beichtvater, Komplize (vor allem bei ihren täglichen Verstößen
gegen die Straßenverkehrsordnung), Urlaubsbegleitung, Heimstatt,
Höhle und Gefechtsstand in einem. Jeder Mensch brauchte eine
Beziehung. Und weil Frau Meier vor lauter Eigenbrötelei die Kontakte
zu anderen seit langer Zeit vernachlässigte, musste eben das Auto
herhalten.
„Ach Kerlchen, was
mache ich denn bloß mit Dir!“ seufzte sie. „Ich kann Dich doch
nicht einfach hier stehenlassen; nachher wirst Du noch abgeschleppt.“
Aber die würden sie garantiert nicht so schnell wieder herauslassen,
und schon gar nicht würden sie ihr erlauben, ihr Auto umzuparken,
wenn sie erst einmal erzählt hatte, warum sie gekommen war. „Ist
doch eh egal. Ich habe es doch die ganze Nacht nicht geschafft, mich
umzubringen, dann werde ich wohl jetzt noch einen ordentlichen
Parkplatz für Dich finden können.“ Birgit Meier holte tief Luft,
drehte den Zündschlüssel und fuhr wieder vom Parkplatz herunter.
Gleich neben dem Krankenhaus hatte sie ein Wohngebiet ausgemacht.
Dort würde die kleine Rennmaschine gut und sicher stehen, und sie
könnte ihn ab und zu besuchen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen