Eines kann ich Ihnen schon jetzt versichern: Depressive Episoden sind nichts für Schwächlinge! Sie müssen aus therapeutischen Zwecken auf einmal anfangen zu atmen, über Kribbeln in Ihren Füßen nachdenken oder darüber, dass Sie gerade nichts fühlen. Wenn es richtig schlimm kommt, werfen Sie Bälle, sammeln Kastanien oder irgendwelches Grünzeug und malen Mandalas aus. Besonders gemeine Pflegekräfte wollen, dass Sie achtsam klitzekleine Kullern in klitzekleine Löcher bugsieren, ohne zu schreien oder das Zeugs an die Wand zu werfen. Gern verordnet werden auch schweißtreibende Aktivitäten wie Kraft- und Ausdauertraining. Manche müssen sich zum Horst machen, indem sie mit Stöckern bewaffnet das nächstgelegene Naherholungsgebiet durchpflügen. Gruppenweise, damit man sich auch so richtig blöd dabei vorkommt.
Und dann dieses ewige Planen von positiven Aktivitäten... Leute, echt jetzt, ich will im Bett liegen, mir die Decke über den Kopf ziehen und meine Zukunft in dunkelschwarz vor mir sehen! Das funktioniert so nicht! Ein trauriger Film, getragene Musik oder ein Hinweis über die Sinnlosigkeit des Lebens wären da viel hilfreicher. Wirklich, wenn Sie uns länger bei sich haben wollen, sollten Sie Ihre Strategie noch einmal überdenken.
Aber
all diese Maßnahmen sollen in ihrer Gesamtheit ja zu einer Besserung
führen. Und als wäre das nicht genug, ist man auch noch umgeben von
freundlichen, zugewandten und liebenswürdigen Menschen, die einem
dauernd das Gefühl vermittelten, nicht allein zu sein. Die lustige
Spiele spielen, einem Tischtennisbälle um die Ohren hauen, beidhändiges
Kegeln, Stricken und Häkeln beibringen oder die depressive Episode durch
das wiederholte zu Null beim Kickern kurzfristig verstärken. Manche
tragen schicke Hüte, andere ein kleines Bäuchlein, wieder andere die
Fankleidung des Lieblingsvereins. Die Damen veranstalten gern einmal
Parfum-Contests oder tauschen Strick- und Häkeltricks.
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