Nicht, dass ich jetzt irgendwie in Stress käme - ich doch nicht! Ich brauche das! Ordentliche Künstler arbeiten bekanntlich immer erst auf den letzten Drücker, und richtige Schriftsteller brauchen den berüchtigten Musenkuss.
Statt mich um Frau Meier und ihre Depressionen zu kümmern, habe ich den Rasen gemäht, die 120 Quadratmeter um meinen Schreibtisch herum geputzt, Pflanzen umgetopft und herumgeschleppt, die Buchhaltung auf Stand gebracht, alte Papiere wegsortiert, bin ein paarmal gelaufen, habe außerdem... Heldin, ich!
Für heute standen exakt drei Aktivitäten auf meinem Plan:
- Protagonisten mit ein paar wesentlichen Eigenschaften auflisten
- den Kopf freiräumen
- eine Kreativitätsübung, die ich letzte Woche nicht geschafft habe, erledigen.
Das ist immer so! Jedes verdammte Jahr, in dem ich am NaNoWriMo teilnehme! Ich weiß nicht, welcher Teil meiner ansonsten doch recht gut sortierten Persönlichkeit für diese Verzögerungstaktik verantwortlich ist. Und das ist gut so, denn wenn ich ihn erwische, mache ich ihm die Hölle heiß.
Okay. Ich habe jetzt noch 25 Minuten Zeit. Dann muss ich telefonieren. Und danach zu Abend essen. Man hat ja auch mal Hunger.
Aber morgen geht es los. Ganz sicher. 1667 Wörter sollten doch zu schaffen sein. Ich stehe am besten ganz früh auf und nutze es aus, dass dieser widerborstige Anteil vielleicht noch schläft.
Also: Mit etwas Glück lesen wir uns morgen früh. Haben Sie es schön bis dahin! Und seien Sie bitte leise dabei. Ich brauche Ruhe.
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